Mittelohr-Entzündung (Otitis media acuta)

Die akute Mittelohrentzündung tritt besonders bei kleinen und grösseren Kindern auf, aber auch bei Erwachsenen. Es gibt Menschen, welche besonders anfällig sind und sie öfters bekommen. Säuglinge und kleine Kinder haben sehr oft bei ausgeprägtem Schnupfen eine leichte Mitbeteiligung des Mittelohrs. Schmerzen wegen Mittelohrentzündung ist einer der häufigsten Gründe, weswegen Eltern ausserhalb der Sprechstunde ein Kind zum Arzt bringen!

Es gibt auch andere Ursachen für intensive Ohrschmerzen. Auch eine Entzündung des „äusseren“ Gehörganges kann sehr weh tun, oder ein Ohrpfropfen mit Entzündung. Auch Hals- / Schluckweh mit entzündeten Lymphknoten im oberen Halsbereich strahlen oft in die Ohren aus, ohne dass dort eine Ursache zu finden wäre. Ein Blick des Arztes in den Gehörgang ( „Ohrspiegelung“ ) bringt meist rasch Klärung.

Der äussere Gehörgang ist ein Tunnel, hinten abgeschlossen durch eine dünne Haut, das Trommelfell. Hinter dem Trommelfell liegt ein Kämmerchen, das Mittelohr. Das Mittelohr ist durch einen dünnen, langen Kanal (Tube) mit der hinteren Nase verbunden. Der Mittelohrraum kann wie die Nase einen Schnupfen haben, dabei ist der Druckausgleich beeinträchtigt und das Gehör eingeschränkt. Wenn dieser Schnupfen vereitert, da sich darin die Bakterien ungebührlich vermehren, so sprechen wir von einer Mittelohrentzündung. Diese kann in seltenen Fällen auch gefährlich sein, wenn der bakterienhaltige Eiter sich in den Schädelknochen ausbreitet, z.B. in den Warzenfortsatz-Knochen hinter/unterhalb des Ohrs.

Es gibt aber auch Kinder und Erwachsene, bei deneneine ausgeprägte Mittelohrentzündung fast ohne Schmerzen verlüft, manchmal wird man erst durch Ausfluss aus dem Ohr (nach Durchbruck des Trommelfells) darauf aufmerksam.

Bei Säuglingen kann ein Verdacht auf Mittelohrentzündung erhärtet werden, wenn fester Druck auf die Gehörgangsmündung schmerzt.Bei über jährigen Kindern ist dieses Zeichen nicht aussagekräftig,weil der Gehörgang dann fester wird. Später spricht eine solche Druckschmerzhaftigkeit eher für eine Entzündung des äusseren Gehörganges.

Nebst den Schmerzen ist auch das Gehör beeinträchtigt. Die eigene Stimme hört das betroffene Ohr überlaut, die äusseren Geräusche schlechter, bei einseitigem Befall fehlt die Stereowahrnehmung, so dass der Kranke schlecht hört, sobald viele Geräusche da sind. Sich selber hört man lauter, weswegen (v.a. Kinder) oft leise sprechen. Gelegentlich wird auch das Innenohr gereizt, dann treten pfeifende Ohrgeräusche und Verzerrungen der Wahrnehmung auf oder Schwindel; dann sind Kontrollen dringend angezeigt.

Die Mittelohrentzündung ist als solche nicht ansteckend. Die zugrundeliegende Infektion (Schnupfen etc.) ist schon ansteckend, macht aber lange nicht immer eine Mittelohrentzündung.

Die Mittelohrentzündung ist von der Ursache her etwas sehr Ähnliches wie die Stirn- oder Kieferhöhlenentzündung. Auch das sind ja mit Schleimhaut ausgekleidete Hohlräume im Schädelknochen, die mit der Nase verbunden sind.

Behandlung

Besonders wichtig ist es, den Verbindungskanal von der Nase in die Ohren (Tube) zu öffnen. Hierfür können Schnupfenmittel (Einatmen von ätherischen Oelen, Nasenspray/tropfen, einzunehmende Schnupfenmittel, Nasenspülungen, auch möglichst häufiges Kauen von Kaugummi nützlich sein. So kann das Mittelohr wieder belüftet werden, eine Bedingung zum Überwinden der krankmachenden Bakterien. Wenn es nicht gelingt diesen Gang zu öffnen, kann der Druck des Eiters ansteigen, die Schmerzen nehmen meist zu, bis evtl. ein winziges Löchlein im Trommelfell durchbricht, das den Druck entlastet. In diesem Fall nehmen die Schmerzen plötzlich ab, es tritt Ausfluss aus dem Ohr auf (Flecken auf dem Kopfkissen). In diesem Fall: ärztliche Kontrolle!

Wichtig ist meistens die Schmerzbekämpfung. Insbesondere bei Kindern muss man wissen, dass Mittelohrentzündungen sehr weh tun können und der Patient für genügend Schmerzmittel dankbar ist. Es können die üblichen Fieber-Schmerzmittel verwendet werden, eher hoch dosiert, noch besser sind aber entzündungshemmende Schmerzmittel, diese schwellen zudem die Tubenschleimhaut etwas ab.

Sehr häufig wird ein Antibiotikum verordnet. Nach meiner Erfahrung ist dies längst nicht immer erforderlich. Viele leichtere Mittelohrentzündungen sind nicht durch Bakterien, sondern, zumindest am Anfang, durch Viren verursacht. Dann nützt ein Antibiotikum ohnehin nichts. Aber auch bakterielle Mittelohrentzündungen können ohne Antibiotika gut verlaufen. (Bedingung ist eine ausreichende Schmerzbekämpfung, sonst gute Voraussetzungen zur Heilung und regelmässige Kontrollen.) In Einzelfällen können die Bakterien mit dem Eiter im Schädelknochen sich ausbreiten und Unheil anrichten. Meiner Erfahrung nach ist diese Komplikation bei genügender Kontrolle sehr selten.

Eine Mittelohrentzündung soll sonst wie ein sehr starker Schnupfen behandelt werden. Wichtig ist, das der Patient am ganzen Körper warm hat, genügend trinkt, Ruhe hat und möglichst durch die Nase atmen kann.

Damit nicht zusätzlich Schleim in Richtung Ohren gepresst wird, ist intensives Schneuzen in ein Taschentuch zu vermeiden. Spülungen der Nase mit physiologischer Kochsalzlösung (vgl. separates Merkblatt) können nützlich sein, das geht aber nicht bei kleinen Kindern. „Hinaufziehen“ des Schleims in der Nase und anschliessendes Schlucken ist zwar sehr unanständig, vom hygienischen und medizinischen Standpunkt aber vorzuziehen. Es erzeugt einen Unterdruck, der den Katarrh aus dem Nasen-Ohren-Kanal zieht.

Auch bei völliger Schmerzfreiheit können Nachkontrollen der Ohren notwendig sein, insbesondere muss man wissen, dass nach Platzen des Trommelfells die Schmerzen normalerweise nachlassen. Ein beobachteter Ausfluss, Kruste am äusseren Gehörgang, soll bitte belassen werden, damit der Arzt dies bei der Untersuchung anschauen kann.

Ohrtropfen sind, zumindest ein paar Stunden vor der Untersuchung verabreicht, nicht zu empfehlen. Sie erschweren die Untersuchung. Ihr Nutzen ist mässig.

Ein schmerzendes Ohr soll nicht zu sehr erwärmt werden. Wärme würde die Entzündung noch steigern. Manchmal bringt eine speziell ausgewählte Unterlage (z.B. angenehmes Tüchlein zum Draufliegen) etwas Linderung, besonders bei Kindern. Bei intensiven Schmerzen sind leicht kühlende Umschläge ( z.B. kühler Waschlappen, kein Eis! ) oft hilfreich. Sonst sind die Ohren aber vor intensiver Unterkühlung zu schützen, z.B. durch Mütze / Ohrenband. Watte gehört nicht in die Ohren, da sie die Entstehung von Ohrpfropfen und Entzündungen des äusseren Gehörgangs fördert.



Zusammengestellt von Hansruedi Epprecht.

Letzte Aenderung: 16.01.2006

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